Wer polyamor lebt, liebt mehrere Personen parallel. Foto: serezniy - 123RF.com

Polyamorie: Wenn eine Beziehung alleine nicht reicht

Dein Partner hat ein heißes Date mit einer anderen Person, während du es dir auf der Couch gemütlich machst oder selbst einen Overnight hast. Bei monogam lebenden Menschen schrillen jetzt die Alarmglocken! Für Paare, die polyamor leben, beschreibt genau das hingegen einen tollen Abend, an dem beide richtig Spaß haben. Wer polyamor liebt und lebt, hat sich bewusst für diese Form der Sexualität und des Zusammenlebens entschieden – mit allen Vor- und Nachteilen, die eine Poly-Beziehung mit sich bringt. Wir verraten dir, welche Ursachen Polyamorie hat, welche Probleme es geben kann und was „polyamor” bedeutet.

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Was ist Polyamorie?

Der Begriff „polyamor” setzt sich aus den beiden griechischen Wörtern „poly” – viel und „amor” – Liebe zusammen. Die Bedeutung von Polyamorie ist demnach die Liebe zu vielen Personen und dabei geht es nicht nur um Sex, sondern auch um eine Partnerschaft auf emotionaler, romantischer und sexueller Ebene. 

Poly-Partnerschaften haben die Absicht, lange zu bestehen – bis hin zur Familiengründung. Liebes-Hierarchien in einer polyamoren Beziehung gibt es nicht, denn alle Partner sind gleichgestellt, auch wenn es oft eine Hauptbeziehung gibt. Kurzum führen Poly-Paare eine Gruppenbeziehung, die jedes Paar für sich gestaltet und definiert und die immer andere Ursachen hat. Der Wunsch und das Bedürfnis, sich immer wieder verlieben zu können, seine sexuellen Bedürfnisse nicht nur mit einem Partner auszuleben, oder den sexuellen Horizont zu erweitern, sind nur ein paar Gründe für die Entscheidung für eine Partnerschaft mit mehr als einem Menschen. 

Wichtig zu wissen: Polyamorie ist keine psychische Krankheit oder Bindungsstörung, sondern ein bewusstes und einvernehmliches Beziehungsmodell. Für Polyamorie gibt es seit 1995 sogar eine eigene Flagge: blauer, roter und schwarzer Balken mit einem gelben griechischen Pi in der Mitte. Der rote Balken steht für Liebe und der blaue für Ehrlichkeit.

Monogamie, Polyamorie, Polygamie und offene Beziehung: Was ist der Unterschied?

Im Gegensatz zu polyamoren Paaren leben monogame Pärchen in einer Zweierbeziehung – auf allen Beziehungsebenen. Beim Sex, in der Liebe und im Leben gibt es nur den einen Partner. Heimliche sexuelle Aktivitäten außerhalb der Zweierbeziehung gelten als Fremdgehen – das ist übrigens auch in polyamoren Beziehungen so, denn Vertrauen und Kommunikation sind hier ebenfalls die Basis. 

Zwei Frauen und ein Mann leben polyamor
Bei Polyamorie sind die Partner im Gegensatz zur Polygamie nicht verheiratet. Foto: serezniy – 123RF.com

Bei Polygamie sind im Unterschied zur Polyamorie die Partner miteinander verheiratet oder leben in einer eheähnlichen Gemeinschaft – meist ein Mann mit mehreren Frauen. In Deutschland sind Vielehen allerdings verboten. Wer trotzdem mehrere Menschen heiraten möchte, kann das in einer freien Trauung ohne Trauschein tun. 

Bei einer offenen Beziehung handelt es sich um eine Zweierbeziehung, in der beide einvernehmlich sexuelle Abenteuer außerhalb ihrer Partnerschaft haben können. Im Unterschied zu Polyamorie führen die Partner in offenen Beziehungen keine Partnerschaften mit ihren Sexpartnern. 

So kann eine Poly-Beziehung aussehen

Polyamore Beziehungen werden immer interessanter, wie eine Umfrage des Dating-Portals Parship unter 3.000 Mitgliedern zeigt: 3 Prozent haben bereits eine Poly-Beziehung geführt und 12 Prozent wären offen für eine alternative Beziehungsform. Allerdings können sich 85 Prozent keine Beziehung mit mehreren Partnern vorstellen. Paarberater Eric Hegmann sagt gegenüber T-Online dazu: „Mittlerweile werden polyamore Beziehungen von der Gesellschaft nicht mehr so stark abgewertet wie noch vor einigen Jahren. Dennoch besteht nach wie vor Skepsis gegenüber diesem Modell.” 

Polyamorie funktioniert nur, wenn sich niemand betrogen oder hintergangen fühlt. Darum ist es wichtig, eine Konstellation zu finden, die für alle Beteiligten funktioniert. In einer polyamoren Partnerschaft kann es eine Hauptbeziehung und mehrere sekundäre Beziehungen geben oder alle pflegen gleichgestellte Beziehungen zueinander. Jedes Beziehungsmuster kann ganz individuell und variabel sein. 

Es gibt immer wieder Platz für weitere Bezugspersonen, mit denen du dich auf verschiedenen Beziehungsebenen verbunden fühlst. Es gibt auch die Möglichkeit, dass ein Partner (zeitweise) monogam lebt und der andere Polyamorie praktiziert, also einseitig polyamor ist. Anders als in einer offenen Beziehung geht es bei Polyamorie auch in diesem Fall nicht nur um Sex. 

Vorteile von Polyamorie

Polyamor zu leben, hat Vorteile für alle, die Liebe und Leidenschaft gerne teilen – nicht nur mit einem Menschen: 

Freiheit von monogamen Einschränkungen: Beziehungscoach Aino Simon nennt gegenüber VIP.de einen klaren Pluspunkt von Poly-Beziehungen: „Der Vorteil für viele polyamor lebende Menschen besteht darin, dass sie frei von monogamen Einschränkungen sind. Sie können sich damit leichter mit ihren Wünschen zeigen und individuell passende Lösungen im Beziehungskontext suchen.”

Impulse für sexuelle Spielräume: Du hast seit Jahren Sex mit derselben Person? Dann kann es passieren, dass sich Sex-Routine einstellt und du dich nicht ausprobierst. In polyamoren Partnerschaften können alle ihre sexuellen Spielräume mit neuen Partnern erleben und so ihre sexuelle Identität reifen lassen.

Polyamore Sexualität
Polyamorie bietet viele Möglichkeiten, sich sexuell auszuprobieren. Foto: twinsterphoto – 123RF.com

Kommunikation als Beziehungsschlüssel aktiv leben: Alternative Beziehungsformen funktionieren nur dauerhaft, wenn alle Beteiligten immer wieder offen und ehrlich über ihre Gefühle und Gedanken sprechen. Was passt und was nicht? Womit fühlt man sich wohl und womit nicht? Als Poly-Partner lernst du, täglich achtsam zu kommunizieren. 

Eifersucht als Anlass zur Selbstreflexion: In alternativen Beziehungen mit mehr als einem Partner lernst du, Eifersucht als Anlass zur Selbstreflexion zu nutzen. Statt sie zu verdrängen und zu bekämpfen, nutzt du sie als Chance, um an deinen Selbstzweifeln zu arbeiten. Das führt zu emotionaler Selbstständigkeit und gesunden Beziehungen.

Probleme beim polyamoren Zusammenleben

Eifersucht ist in der Polyamorie allerdings auch etwas, das zu Ärger führen und Liebeskummer verursachen kann. Aber auch andere Probleme können auftreten:

Grenzüberschreitung eines Partners: Wer seine eigene Freiheit über die Gefühle seines Partners stellt, verletzt dessen Gefühle und überschreitet Grenzen. Es kann schnell überfordernd sein, alle Bedürfnisse mehrerer Beziehungspartner unter einen Hut zu bekommen. 

Ein Partner fühlt sich nicht mehr wohl: Im Pool der Bedürfnisse kann ein Partner schnell untergehen, wenn er nicht genug Gehör findet. Wenn ein Partner sich nicht mehr wohlfühlt mit der Beziehungskonstellation, kann das Modell ins Wanken geraten. Oder derjenige fühlt sich unter Druck gesetzt.

Zu wenig Me-Time und zu viel Beziehungsarbeit: Monogame Beziehungen machen schon jede Menge Arbeit. Poly-Liebschaften setzen noch einen obendrauf, denn im Grunde musst du zwei und mehr Partnerschaften gerecht werden. Und dann wären da noch deine eigenen Bedürfnisse und der Wunsch nach ausreichend Me-Time. 

Regeln für eine glückliche polyamore Beziehung

In der Polyamorie gelten Regeln, die wichtig sind, damit die Sache für alle läuft.

Gleichberechtigung: Jeder Partner schenkt in gleichem Maße Liebe und empfängt sie. Es gibt keine Liebeshierarchien, wenn sie nicht klar abgesprochen sind. Damit sich die Dynamik nicht stark verändert, sollte niemand Alleingänge in Sachen Affären oder One-Night-Stands machen.

Transparenz: Alle Partner sollten voneinander wissen und Regeln, Grenzen und Verbote werden mit allen kommuniziert. Das gilt auch für das Thema Verhütung in polyamoren Beziehungen. Die Dos und Don’ts müssen klar und verbindlich sein.

Polyamore Beziehung
Ehrlichkeit und Transparenz sind wichtige Regeln für eine glückliche polyamore Beziehung. Foto: serezniy – 123RF.com

Ehrlichkeit: Sie ist das Fundament jeder Beziehungsform – auch der Polyamorie. Es sollte keine heimlichen Liebschaften, individuellen Absprachen oder Geheimnisse geben, die die Beziehungen betreffen.

Respekt: Ein respektvoller Umgang und das Einhalten von Absprachen sind die Basis von Poly-Beziehungen. Die Gefühle und Grenzen deiner Partner solltest du ernst nehmen, genauso wie Vereinbarungen.

Langfristigkeit: Polyamoröse Partnerschaften laufen ähnlich wie monogame. Nach der Kennenlernphase kommt die Verliebtheits- und dann die Beziehungsphase. Es geht um langfristige gute Beziehungen, die gepflegt werden wollen.

Test: Bin ich polyamor?

Mit diesem Test findest du heraus, ob Polyamorie etwas für dich ist. Beantworte dazu einfach diese Fragen:

  1. Denkst du, dass du mehr als eine Person lieben kannst?
  2. Hattest du schon mal Lust auf Sex außerhalb deiner Beziehung?
  3. Hast du in einer Beziehung schon länger als 3 Monate keinen Sex gehabt?
  4. Warst du schon mal außerhalb deiner Partnerschaft in eine Person verliebt?
  5. Könntest du damit umgehen, wenn dein Partner mit anderen flirtet?
  6. Wäre es für dich okay, wenn dein Partner Sex außerhalb eurer Beziehung hat?
  7. Kannst du dir vorstellen, mehr als eine Person zu lieben?
  8. Ist es dir egal, was andere über deine Partnerschaft denken?
  9. Bist du schon mal fremdgegangen oder wolltest es tun?

Wenn du die meisten Fragen mit Ja beantwortet hast, solltest du dich näher mit Polyamorie und alternativen Beziehungsformen beschäftigen. In Polyamorie-Foren kannst du dich mit Menschen austauschen, die bereits diese Beziehungsform leben und dir wertvollen Input für deine eigene holen. 

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